Lebenslanges Lernen

Zella-Mehlis – Auf dem Hof der Böhm Fertigungstechnik GmbH in Zella-Mehlis macht die Informationsoffensive "Berufliche Bildung - Praktisch unschlagbar" Station.

Den Eiswagen hat der Chef bestellt, daneben steht in der Mittagssonne ein bunt beklebtes Info-Mobil.

Die Böhm Fertigungstechnik hat in Zella-Mehlis 190 Leute, in der Slowakei weitere 40 Mitarbeiter. Derzeit gibt es im Thüringer Betrieb zwölf Auszubildende, sieben neue sollen zum neuen Lehrjahr mit an den Start gehen. Es gibt auch hier noch freie Lehrstellen, wie die Ausbilderin für den kaufmännischen Bereich, Sylvia Schlegelmilch, erzählt. Ihr Kollege Tobias Richter, der sich um die Ausbildung in den Metallberufen kümmert, verweist stolz darauf, dass es im Unternehmen jetzt eine neue, gut ausgestattete Lehrwerkstatt für die Fachkräfte von morgen gebe.

Die Mitarbeiter der Tagschicht stehen im Halbrund, vorn hält der Werksleiter eine kurze Rede und begrüßt neben Vertretern der Industrie- und Handelskammer Südthüringen die Bundestagsabgeordnete Iris Gleicke (SPD). Die aus Schleusingen stammende Staatssekretärin beim Bundeswirtschaftsministerium nimmt seine Worte auf und sagt: "Gerade im technischen Bereich spielt die berufliche Qualifizierung auch nach der Erstausbildung eine wichtige Rolle."

Werk- und Vertriebsleiter Ewald Kraus fordert seine Azubis und Mitarbeiter auf, Weiterbildung als ihre Chance zu verstehen, wünscht sich von ihnen: "Nehmen Sie diese Angebote wahr!" Schon zuvor betonte er: "Es ist für unser Unternehmen extrem wichtig, auch künftig gut ausgebildete Leute zu haben und zu halten." Das Unternehmen sei schließlich international aufgestellt und müsse sich mit Qualität am Markt gegen diverse Billiganbieter beweisen. Und eben dies gelinge nur mit qualifizierten und motivierten Leuten. Entsprechend räume die Firma all jenen Mitarbeitern, die sich weiterbilden wollten, dazu auch die Möglichkeit ein.

Ausbilderin Sylvia Schlegelmilch kritisiert, dass in der Berufsorientierung für Jugendliche Lebensnähe fehle. Sie fordert daher längere und häufigere Praktika in Unternehmen. So könne auch die Abbrecherquote gesenkt werden, ist sie sich sicher.

Die Azubis selbst tun sich anfänglich etwas schwer, mit der Sprache herauszurücken. Eis zu schlecken, hilft, das eis zu brechen. Schnell wird klar, dass es bei der Berufsvorbereitung noch immer erhebliche Defizite gibt. Nicht alle werden politisch zu lösen sein, wie das Beispiel eines jungen Mannes belegt, der berichtet, dass er sich "bis zur letzten Minute nicht dafür interessiert" habe, was er einmal beruflich machen solle. Nun aber sei er froh, einen guten Ausbildungsbetrieb gefunden zu haben. Ein anderer junger Mitarbeiter sagt, er habe vorher in einem Handwerksbetrieb gelernt; nun macht er seinem Ärger darüber Luft, dass nicht jeder Unternehmer auch daran interessiert sei, das seine Leute sich engagieren und qualifizieren.

Bundespolitikerin Gleicke aber drückt noch ein anderer Schuh: Nur wenige weibliche Bewerberinnen finden sich für technische Berufe. Wenn sie beobachte, welche Lehrberufe die beliebtesten sind und wie hoch zugleich die Abbrecherquoten sind, dann gebe das doch zu denken. Sie hört weiter aufmerksam zu, sagt, dass es dazu "einer eigene Ansprache" bedürfe, um dann bei einer Kugel Vanilleeis kämpferisch zu resümieren: "Es gibt noch viel zu tun!"

 

Von Holger Schalling, Redakteur Tageszeitung Freies Wort, Suhl

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